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Karl der Pedo

Karl ist wohl der erste Pädophile der mir auf anhieb sympathisch war.

"Hey, Karl! Wie gehts dir?", frag ich ihn wenn er von der arbeit kommt. "Ja. komm grad von der arbeit. ... du weißt schon."
"Du siehst ein bisschen fertig aus.", sag ich ihm in seine mit geschwollenen Tränensäcken unterstrichenen Augen.
"Ja. Meine Tränensäcke sind ein bisschen angeschwollen."
"Viel Streß gehabt?"
"Ja. ... Du weißt schon."

Karl traf seine große Liebe mit dreizehn. manchmal drehte er sich zu ihr um. Für einen kurzen moment. tat so als wollte er sich die plakate zur photosynthese ansehen. dabei sah er sie an. meistens fuhr dabei der frühlingswind durchs geöffnete klassenzimmer und durch ihr rotes haar. Eigentlich nur einmal. Aber davon kam Karl nichtmehr los. Ihre Haare hupfen schnell wieder in ihren frechen Schnitt. Ein paar verfingen sich aber auch in ihren Lippen. Ähnlich wie Karls schüchterne Blicke.

Einmal sah er ihren rechten Busen. Sie trug meistens einen kleinen BH, einen Bügel brauchte sie noch nicht. "Rothaarige Frauen haben ganz spezielle Nippel" sagt Karl oft "Ein helles rosa, weich und zart, wie Rosen." Das wenige was Karl sagte war meist sehr pathetisch.

Mit vierzehn verließ Karl die Schule, ähnlich still, sang und klanglos wie er damals in der zweiten Reihe saß. Im kommenden Schuljahr dauerte es eine ganze Weile bis man von Karls Abgehen notiz nahm. Am Schulanfang gibt es immer viel zu erzählen. Das kann man wohl niemandem übel nehmen.

Karl isolierte sich mit seinem Abgang von der AHS immer mehr. Und sein Selbstbewusstsein blieb bestenfalls pubertär. Wie sovieles an seiner Art.
Ich höre immer von den "Verlierern des Kapitalismus". "Die Verlierer des Feminismus" sind an ihrer Zahl noch mehr und nicht weniger schwer getroffen. Karl ganz vorne mit dabei.

Kurzum Karl hatte keinen Erfolg bei Frauen. Und wer kann es ihnen verübeln? Wer ausser ein paar weiblichen Hauptrollen in Hollywood Filmen sucht schon nach, nennen wir es "junggebliebenen", schüchternen Männern? Isoliert und ohne Selbstbewusstsein.
Karl hat seine junge Liebe immer mehr idealisiert. "Frisch und Wahr", wie er sagte. Er baute sich sein eigenes Bild. Erinnerungen der Liebe die er einmal Liebte verknotete er mit unerfahrenen Träumen, Enttäuschungen und dem Gefühl des Überfordertseins.

Im Alter von 53 Jahren fuhr ein desilusionierter alter Mann nach Thailand. Ein Mann der selten Menschen verstand und selten auf der Bühne des Lebens stand. Alt und verbraucht. Noch immer nach der alten Liebe suchend. Er wollte nichts vergeudet haben. Er wollte Liebe lieben wie es jeder einmal konnte. Frisch wie ein Frühlingswind der einem durch das Haar fährt.

18.3.09 20:14
 


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